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Kennen Sie schon das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg? Das Museum widmet sich Frauen, die "Großes" geleistet haben und aus welchen Gründen auch immer unbekannt geblieben sind. Aktuelle Infos zur Ausstellungen erhalten Sie unter: 

„Geschlecht ist nicht etwas, das wir haben oder das wir sind, sondern das wir permanent tun“ (Simone de Beauvoir)

Nützliche Tipps von Sabina Scheliga_2016

Lesen Sie nach wie Alice Lex-Nerlinger ihren Drang nach Freiheit und Selbstständigkeit verwirklichte und was Sie von der Künstlerin mit der sozialistischen Überzeugung gegebenenfalls lernen können. 

„Um jetzt meine Selbstständigkeit auch äußerlich zu zeigen, ging ich zum Friseur und ließ mir die Haare abschneiden, seitdem trug ich einen Bubikopf.“

 

Alice Lex-Nerlinger, geborene Pfeiffer, ist im Jahre 1893 in Berlin-Kreuzberg zur Wilhelminischen Zeit im
Deutschen Kaiserreich geboren.

Ihre wohlsituierte bürgerliche Familie hatte genug Geld, um ihren fünf Geschwistern und ihr selbst ein sorgloses und bildungsreiches Leben zu bieten. Sie litt allerdings unter den altmodischen Konventionen und dem strengen Moralkodex der damaligen Bürgerklasse.

 

Im weiteren Text werden Sie Einblicke in das Leben der Künstlerin und ihre Kunst bekommen. Am Ende des Textes gebe ich Ihnen weitere brauchbare Hinweise zu einer Studie "Frauen in Kultur und Medien".

 

Berufstätige Frauentypen

 

Zur Zeiten der Weimarer Republik schuf Alice Lex-Nerlinger sozial-kritische Frauenbildnisse bei der Arbeit. In ihren schwarz-weiß-Fotografien präsentierte sie zum Beispiel den im Büro arbeitenden Frauentypus im Vergleich zu der Heimarbeiterin. Die moderne Frau trug damals einen pfiffigen Kurzhaarschnitt, sie zog sich modern an und arbeitete in der Regel außer Haus als Angestellte bzw. als Sekretärin. Bis zur Heirat war der neue Frauentypus ökonomisch unabhängig. Während sie vor der Heirat dem Chef unterordnet war, nahm sie nach der Heirat die traditionelle Rolle einer Ehefrau an, war dem Ehemann untergeordnet und verrichtet die sogenannte Zuarbeit.
Die Heimarbeiterin als Näherin war dagegen an das Haus gebunden. Sie erhielt eine pro Stücklohn-Bezahlung, musste die Kosten für die Anschaffungen wie die Nähmaschine, Reparaturen und die Nebenkosten wie Strom, Heizung selbst tragen.

 

Offenbar arbeiteten 1927 mindesten eine Million Frauen in Deutschland unter diesen prekären Verhältnissen. Ich stelle mir die Frage: wie viele Freiberuflerinnen und Freiberufler heutzutage unter diesen Bedingungen arbeiten und schlecht für ihre Arbeit bezahlt werden?

 

Ihre Suche nach neuen Wegen

Alice Lex-Nerlinger machte das Abitur an der „Königlichen Augustaschule.“ Um die zeitgemäßen Manieren der Bürgerklasse beigebracht zu bekommen, schickte ihre Familie sie auf das „Höhere Töchterpensionat“. Schon bald entschied sich Alice, Ihren Lebensweg selbst in die Hand zunehmen. Nach drei Monaten floh sie von dem Pensionat. „Ohne mich von der Baronin von Wrangel, der Leiterin des Pensionats verabschiedet zu haben,“ stand ich „mit meinem Koffer frei und leuchtenden Auges auf der Treppe des Anhalter Bahnhofs". Sie begab sich an die Kunstgewerbeschule zu Berlin. Nach bestandener Aufnahmeprüfung, standen ihr die neuen Wege in die Kunst und das freie Leben offen. Während des Kunststudiums lernte sie ihren zukünftigen Mann, Oskar Nerlinger kennen. Als Ehe- und Künstlerpaar blieben sie ihr Leben lang zusammen, befruchteten sich gegenseitig in ihrer Kunstauffassung und teilten ähnliche Weltanschauung.

 

Alice Lex-Nerlinger entschied sich im Jahre 1928, Mitglied der kommunistischen Künstlerkollektivs ASSO - Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschlands - zu werden. „Alle meine Arbeiten wurden getragen von der Idee daran mitzuwirken, das Leben der Menschen zu verbessern, und nichts erschein mir sinnloser für einen Künstler, als abstrakte Bilder für Snobs zu malen in einer Zeit, in der das Volk immer mehr verelendete.

 

Alice Lex-Nerlinger war eine Künstlerin mit einem starken Willen, Durchsetzungsvermögen
und sie war stets von der Idee des Sozialismus überzeugt. Tragischer Weise lebte sie stets in einem „unfreien“ Staat bzw. einer "stark konventionellen" Gesellschaft. Sie war Zeitzeugin eines bewegten Jahrhunderts: Kaiserzeit, Aufbruch in die Moderne, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik mit seinen Krisen, Nöten und Massenarbeitslosigkeit, Zweiter Weltkrieg und die DDR. Ihre gesellschaftskritischen Kunstwerke sind historische „Bild-Dokumente.“

 

 

Lernen Sie "Das Verborgene Museum" kennen.

 

Nachfolgend stelle ich einige Gedanken und Ideen der Künstlerin Alice Lex-Nerlinger vor und verweise auf den Katalog (Fotos links), der zu der Einzelretrospektive erschienen ist: 

 

Alice ALEX-NERLINGER, 1893-1975. Fotomonteurin und Malerin. Herausgeber Marion Beckers für "Das Verborgene Museum", mit Texten von Rachel EPP Buller, Erinnerungen von Alice Lex-Nerlinger und ein Nachwort von Eckhart J. Gillen, deutsch - englisch, 192 Seiten, 150 Farb- und S/W-Abb., Lukas Verlag, Berlin. ISBN 978-3-86732-245-4.

Die Publikation zur Ausstellung (14. April bis 7. August 2016) kann im  "DAS VERBORGENE MUSEUM", Dokumentation der Kunst von Frauen e.V., Schlüterstraße 70, 10625 Berlin für 24,- € an der Museumskasse erworben werden.

 

Aktuelle Infos zur Ausstellungen erhalten Sie unter: 

http://www.dasverborgenemuseum.de/

Infos zu einer partizipativen Führung mit Sabina Scheliga am 30.07.2016 erhalten Sie unter: 

Gender & Gender Mainstreaming

Der Begriff „gender“ bezeichnet das „soziale“ Geschlecht im Unterschied zum „biologischen“. Gender Mainstreaming wird über-setzt mit "integrierte Gleichstel-lungsorientierung."

 

Ich möchte kurz aufzeigen, wie die Künstlerin in ihrem Oeuvre das Thema Gender und Gender Mainstreaming zum Ausdruck bringt. 

 

Mit 76 Jahren malte Alice Lex-Nerlinger ein religiöses Motiv aus der biblischen Erzählung: Adam und Eva unter dem Erkennt-nisbaum. Dabei verzichtete sie auf die Abbildung der Schlange. In Ihrem Bild ist Adam der Überbringer der Erbsünde. Somit stellte sie die jahrtausendealte religiöse Überlieferung auf den Kopf. Es drängt sich die Frage auf: Wie ist das Motiv zu deuten? Wollte Alice Lex-Nerlinger damit zeigen, dass das hierarchisch-konstruierte Geschlechterkon-zept in der sozialistischen Gesell-schaft aufgehoben sei? Immerhin wurde die Gleichstellung der Frau in der DDR stark propagiert.

 

Oder erkannte Alice Lex-Nerlinger, dass die Gleichstellung und die Chancengerechtigkeit in der DDR nicht wirklich realisiert wurden? Immerhin blieben Führungspositionen in der Wirtschaft und in der Politik den Männern vorbehalten. Waren die DDR-Frauen nicht doppelt benachteiligt – wie heute in unserer Gesellschaft noch immer - durch Haushalt, Kinder und untergeordnete und minderbezahlte Arbeit? 

 

Festhalten können wir an dieser Stelle, dass es zu jeder Zeit im Hinblick auf die Genderthematik nicht "die Frauen" und "die Männer", "die Künstlerinnen" und "die Künstler" gibt, gegeben hat und geben wird.

Vielmehr gibt es "Frauen" und "Männer", "Künstlerinnen" und "Künstler" mit vielfältigen politischen und gesellschaftlichen Hintergründen, Familien-beziehungen, Traditionen, Bildungswegen und Lebenswirklichkeiten.

Daraus resultieren unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse, Einstellungen und künstlerische Ausdrucks-möglichkeiten.

 

Müssen die Männer heute nun nervös werden, weil Frauen immer mehr die Kunstwelt erobern?


Wohl kaum wie die Studie „Frauen in Kultur und Medien" des Deutschen Kulturrates aus dem Jahr 2016 zeigt. Immer noch werden Frauen hinsichtlich des Einkommens, ihrer individuellen Förderung und Führungspositionen deutlich benachteiligt. Die Studie greift immerhin aktuelle Tendenzen, Entwicklungen auf und unterbreitet Lösungsvorschläge. 


Förderung von Chancengleichheit und Gleichstellung der Geschlechter gehören erst seit dem Vertrag
von Amsterdam (1997/1999) zur Strategie der Europäischen Gemeinschaft. Dieses Thema steckt wahrlich noch in den Kinderschuhen. Es gibt in dieser Hinsicht noch sehr viel zu tun!

 

 

Die Studie des Kulturrates können Sie unter folgendem Link downloaden

 

www.kulturrat.de/wp-content/uploads/2016/06/Frauen-in-Kunst-und-Kultur_Buchvorschau_bea.pdf

 

 

Sonstige Literatur:
Gabriele Abels: Gender Mainstreaming und Antidiskriminierung. IN: Handbuch Europapolitik. Hg. von Siegfried Frech, Martin Große Hüttmann, Reinhold Weber (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg), Bd. 4., Stuttgart, 2009, S. 252 - 263.

 

 

 

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